Video-Ident-Verfahren: So schützen Sie sich vor Missbrauch

Max

Stand: Dezember 17, 2024

Das Video-Ident-Verfahren ist ein wichtiger Schritt zur digitalen Identitätsprüfung, um etwa Konten zu eröffnen oder Verträge abzuschließen. Doch genau diese Technik wird zunehmend von Betrügern missbraucht. Verbraucher werden gezielt manipuliert und dazu gebracht, ihre Identität preiszugeben. Dadurch entstehen erhebliche finanzielle Schäden, beispielsweise durch ungewollte Kredite.

Wie gehen Betrüger vor?

Kriminelle nutzen verschiedenste Vorwände, um Verbraucher zu überreden, an einem Video-Ident-Verfahren teilzunehmen. Dabei geben sie vor, dass die Identifikation für angebliche Vorteile oder notwendige Prüfungen erforderlich sei. Häufige Beispiele sind:

  • Kontoverifizierung für steuerliche Zwecke oder angebliche Gewinne.
  • Zugriff auf Kapital von Trading-Plattformen, das angeblich „freigeschaltet“ werden muss.
  • Technische Tests für Banken oder Finanzdienstleister.

Die Betrüger beeinflussen ihre Opfer gezielt und geben sogar Antworten vor, die während des Video-Ident-Prozesses genannt werden sollen. Hinter diesen Aktionen steckt jedoch ein klarer Plan:

  • Kreditaufnahme: Mithilfe der erfolgreichen Identitätsprüfung wird im Namen der Betroffenen ein Kredit beantragt.
  • Einrichtung neuer Konten: Auf das neu eröffnete Konto wird das Geld transferiert, doch das Opfer hat keinen Zugriff darauf.

Anschließend werden die Opfer dazu gedrängt, das Geld schnell weiterzuleiten, oft auf angebliche Plattform-Konten oder sichere „Treuhandkonten“. Am Ende bleibt ein hoher Kredit zurück, während das Geld längst bei den Betrügern verschwunden ist.

Beispiel: Betrug durch Trading- und Dating-Plattformen

Die Manipulation erfolgt häufig über vermeintliche Trading-Plattformen oder gefälschte Online-Bekanntschaften. Ein bekanntes Szenario sieht so aus:

  1. Kontaktaufnahme: Die Betrüger nehmen Kontakt über eine Trading-Webseite oder Dating-Plattform auf und schaffen Vertrauen.
  2. Anweisung zur Identifikation: Opfer werden gedrängt, an einem Video-Ident-Verfahren teilzunehmen – angeblich zur Verifizierung eines Kontos oder zur Auszahlung eines Gewinns.
  3. Ungewollter Kredit: Nach Abschluss des Verfahrens wird ein Kredit aufgenommen oder ein Konto eingerichtet, ohne dass das Opfer dies realisiert.

Am Ende stehen die Betroffenen vor der unangenehmen Tatsache, dass sie nicht nur Geld verloren haben, sondern auch für den Kredit haften müssen.

Was ist ein Video-Ident-Verfahren?

Das Video-Ident-Verfahren ist eine Form der Identitätsprüfung, die online und per Videoübertragung durchgeführt wird. Es ersetzt die persönliche Legitimation, die bisher beispielsweise bei Bankenfilialen oder per Post-Ident stattfand. Dabei wird:

  • Ein Ausweisdokument (z. B. Personalausweis oder Reisepass) vorgezeigt und überprüft.
  • Ein Abgleich der Identität mit einer Videoaufnahme durchgeführt.

In der Regel handelt es sich um einen sicheren und legitimen Vorgang – solange er von Ihnen selbst initiiert und transparent durchgeführt wird.

Wie schützen Sie sich vor Missbrauch?

Um nicht Opfer solcher Manipulationen zu werden, sollten Sie stets vorsichtig sein:

  1. Seien Sie skeptisch bei ungewöhnlichen Aufforderungen:
    • Lassen Sie sich nicht dazu drängen, ein Video-Ident-Verfahren durchzuführen, ohne den genauen Zweck zu kennen.
    • Geben Sie während des Verfahrens keine vorgegebenen Antworten von Dritten.
  2. Prüfen Sie den Verwendungszweck:
    • Während des Video-Ident-Prozesses wird das Produkt oder der Service genannt, für das Ihre Identität geprüft wird.
    • Stoppen Sie das Verfahren sofort, wenn Ihnen der genannte Zweck unbekannt oder nicht nachvollziehbar ist.
  3. Vorsicht bei Kontoeröffnungen:
    • Lassen Sie sich niemals überreden, ein Konto zu eröffnen, dessen Zweck Ihnen unklar ist.
    • Beantragen Sie Konten ausschließlich selbst, über sichere Wege und mit Ihrer eigenen E-Mail-Adresse.
  4. Halten Sie sensible Daten unter Verschluss:
    • Teilen Sie persönliche Informationen wie Ausweisdaten nur bei absolut vertrauenswürdigen Vorgängen.
    • Sollten Sie ein ungutes Gefühl haben, brechen Sie den Vorgang sofort ab.

Fazit: Manipulation rechtzeitig erkennen

Das Video-Ident-Verfahren ist grundsätzlich sicher, kann jedoch bei falscher Anwendung zum Einfallstor für Betrug werden. Kriminelle nutzen gezielt Manipulationstechniken, um Verbraucher zu täuschen und ungewollte Kredite aufzunehmen.

Seien Sie wachsam bei Aufforderungen zur Identifizierung und hinterfragen Sie stets den Zweck eines solchen Verfahrens. Im Zweifelsfall gilt: Brechen Sie den Vorgang ab und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Sollten Sie bereits betroffen sein, holen Sie umgehend rechtliche Unterstützung ein.

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